Puffball Sponge

10 historische und moderne Alternativen zum Klopapier

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Schon die ersten Menschen quälte wahrscheinlich eine wichtige Frage. Nämlich, wie man sich nach dem Toilettengang am besten den Po reinigt. Weil es Papier erst seit ungefähr 1.000 Jahren in Europa gibt und es zudem sehr teuer war, mussten andere Ideen her. 

Spannende Themen und Wissenswertes mit Aha-Effekt. (Zum Artikel nach unten scrollen.)

Es mangelte unseren Vorfahren dabei keineswegs an Einfallsreichtum. Vor der Einführung von massenproduziertem Toilettenpapier Mitte des 19. Jahrhunderts, griffen Menschen auf weniger luxuriöse Methoden und Materialien aus der Natur zurück, um sich nach dem Toilettengang zu säubern. So verwendeten sie alles, was in der Natur zu finden war: Steine, Stöcke, Blätter, Moos, Muscheln oder Tierfelle. Man geht sogar davon aus, dass sich die Menschen mit herumlaufenden Tieren wie Hühnern oder Gänsen den Po abwischten.

Im 14. Jahrhundert kam schließlich den Chinesen die rettende Idee und es wurde das erste richtige Toilettenpapier aus Reispapier für die chinesische Kaiserfamilie hergestellt. In der westlichen Welt dauerte es allerdings noch bis zum Jahr 1857, bis das Toilettenpapier, wie wir es heute kennen, in die Massenproduktion ging.

Lies hier, welche Alternativen zum Toilettenpapier im Laufe der Menschheitsgeschichte genutzt wurden:

1. Schwämme

Im alten Rom wurde ein sogenanntes „Xylospongium“ nach dem Toilettengang genutzt. Dabei handelt es sich um einen Stock, an dessen Ende ein Schwamm befestigt wurde. Nach der Benutzung wurde er vermutlich in Salzwasser oder Essig getaucht und so gereinigt. Bei den Römern war es üblich, dass man zusammen auf dem stillen Örtchen saß, um sich dabei unterhalten zu können. Und genau wie die Toilette wurde auch der Stock gemeinschaftlich genutzt. Forscher sind sich allerdings nicht einig, ob der Schwamm zum Abwischen des Pos oder als eine Art Klobürste verwendet wurde, um die Toilette nach der Benutzung zu reinigen. 

Puffball Sponge

2. Muscheln, Steine oder Keramik

Archäologen haben in alten griechischen und römischen Latrinen Überreste von „Pessoi“ entdeckt. Bei ihnen handelt es sich um runde Steine und Keramikscheiben mit Vertiefungen in der Mitte, die als Äquivalent zum heutigen Toilettenpapier dienten.

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3. Blätter

Während die Römer Schwämme nutzen, verwendeten die Germanen Mischungen aus Gras, Moos und Stroh nach dem Verrichten ihrer Notdurft. In Deutschland wurden später die Blätter der Pestwurz als eine Art Toilettenpapier genutzt, weshalb die Pflanze in Bayern auch heute noch „Arschwurz“ genannt wird.

Despite the shitty weather I’m working in my gardens. I’m in my Butterbur patch.

4. Stöckchen

Haben die Römer ihre Stöcke noch mit Schwämmen versehen, wurden im chinesischen Raum trockene Stöcke benutzt. Manchmal waren es einfach nur Zweige, manchmal auch extra angefertigte Spatel mit abgerundeten Ecken. 

Mikado

5. Sand

Wüstenvölker nutzten sowohl früher als auch heute noch Sand als Toilettenpapier-Ersatz. Der benutzte Sand wurde danach einfach verscharrt. Die Völker in der Nähe des Nord- und Südpols nutzten Schnee anstelle von Sand. 

Jean's traces on the sand

6. Seile

Im 17. Jahrhundert ließen die Seefahrer alte Seile von der Seite des Schiffs baumeln. Wann immer sie sich erleichtern mussten, holten sie das Seil hoch, um sich damit abzuwischen. Wenn sie fertig waren, warfen sie das Seil wieder zurück ins Wasser.

Ropes

7. Maiskolben

Viele amerikanische Völker nutzten die Überreste von gegessenen Maiskolben als Toilettenpapier-Ersatz. Sie verfütterten den Mais an ihre Schweine, sammelten die abgenagten Maiskolben dann wieder auf und benutzten sie mehrfach, um sich den Po damit abzuwischen. Die Kolben waren sehr effektiv und weicher, als man vielleicht vermuten würde.

two cobs

8. Po-Hygiene mit Wasser

In vielen Teilen der Welt war und ist es gang und gäbe, den Po mit Wasser anstelle von Toilettenpapier zu reinigen. Experten sind übrigens durchaus der Meinung, dass der Hintern damit sauberer wird. Da man hierbei Abfall vermeidet und Ressourcen spart, setzt sich das Reinigen des Pos mit Wasser immer mehr durch. Es lassen sich dafür verschiedene Hilfsmittel nutzen:

Becher

Nach dem Toilettengang nimmt man einen Becher und gießt das Wasser am Po entlang. Die freie Hand wird dabei zum Waschen genutzt. In muslimisch geprägten Kulturen nimmt man traditionell die linke Hand dafür, weil die rechte zum Begrüßen und Essen verwendet wird.

Po-Duschen 

Nicht erst seit „Die Höhle der Löwen“ liegen Po-Duschen im Trend. Bei ihnen handelt es sich um Flaschen mit gebogenem Hals, aus denen durch Drücken Wasser spritzt. Es gibt sie zu kaufen, sie lassen sich aber auch aus einer kleinen Plastikflasche selber basteln. Alternativ kann man auch eine leere Spülmittelflasche nutzen.

Bidets 

Bidets haben ihren Ursprung im Frankreich des 18. Jahrhunderts. Es handelt sich hierbei um Sitzwaschbecken, die zur Reinigung des Intimbereichs genutzt werden. In Italien nutzt fast jeder ein solches Waschbecken und auch in Portugal, Spanien, Frankreich und Griechenland nutzen über 90 % der Menschen ein Bidet. Währenddessen besitzen in Deutschland gerade einmal 3 % der Menschen ein Sitzwaschbecken. In den USA ist diese Erfindung sogar absolut verpönt.

bidet

9. Zeitungspapier

Papier ist ein wertvoller Rohstoff. In vielen Ländern nutzten die Menschen deshalb Zeitungspapier oder Seiten von Katalogen oder Telefonbüchern als Ersatz für das oft teurere Klopapier. Magazine aus Glanzpapier eignen sich hierbei allerdings weniger gut, weshalb bei den entsprechenden Herstellern viele Beschwerden eingingen, als diese auf Glanzpapier umstellten.

Achtung: Zeitungspapier gehört übrigens nicht in die Toilette, da sie dadurch verstopfen kann. Besser ist es, das Papier nach der Benutzung in einem kleinen Eimer zu sammeln und diesen regelmäßig zu entleeren.

10. Stoff statt Papier

Eine weitere und sehr einfache Alternative zu Klopapier stellen Waschlappen dar. Man kann ganz einfach Stücke aus einem alten T-Shirt oder einem anderen Stoff ausschneiden. Nach dem kleinen Geschäft werden sie einfach ausgewaschen und an der Luft getrocknet – am besten in der Sonne, denn die UV-Strahlen desinfizieren den Lappen gleichzeitig. Nach dem großen Geschäft sollte der Stofffetzen ausgewaschen und später bei hoher Gradzahl in der Waschmaschine gewaschen werden. Wem das zu eklig ist, der kann die Waschlappen auch wegwerfen – allerdings ist das nicht besonders nachhaltig.

Egal, für welche Variante man sich entscheidet – der Stofflappen sollte auf keinen Fall in der Toilette runtergespült werden, da sonst die Leitungen verstopfen.

Wenn du dich das nächste Mal auf der Toilette darüber beschwerst, dass das Klopapier nicht weich genug ist, sei einfach froh, dass du nicht in vergangenen Zeiten gelebt hast und auf Steine oder Stöcke zurückgreifen musstest.

Um leere Klorollen nicht einfach in den Müll zu werfen, findest du in dieser Liste kreative Verwendungsmöglichkeiten für die Papprollen:

Quellen: ufer projekte, shared, national geographic
Vorschaubilder:©flickr/Ed Bierman ©flickr/Erich Ferdinand

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